Werkschau Nachwuchskurzfilm #16: Simon Schneckenburger – Die Leiden der jungen Träumer [2/2]

Der zweite Teil des Artikels zu den Kurzfilmen des Regisseurs Simon Schneckenburger widmet sich dessen Kurzfilmen von „Wintersonnenwende“ (2018) bis hin zu „Ich glaube, es geht ans Ende der Welt“ (2020) und versucht abschließt ein Resümee zu seinen bisherigen Filmen zu ziehen.

Der zweite Artikel setzt ohne Umschweife dort an, wo der letzte aufgehört hat, birgt aber gleich einen Wechsel in Simon Schneckenburgers Schaffen. Und nicht nur weil aus den meist schwarzweißen Bildern der Vorgängerfilme nun immerhin farbige (wenn auch stark entsättigte) Bilder geworden sind.

Wintersonnenwende (13 Minuten | 2018): 

®Marcus Hafner

Eine junge Frau (Mia Lüscher) rennt. Sie ist auf der Flucht. Ihr Gesicht ziert Entsetzen. Es bebt. Die Geschichte dieser Frau wird “Wintersonnenwende”, der auch mit einem symbolischen Voice-Over über den Bilder der Natur beginnt, vorsichtig aufdröseln. Er wird aber nie das Chiffrierte, das diesen Kurzfilm von Simon Schneckenburger auszeichnet, verlieren. Denn dies ist ein Film, der überschaubar ist, in dem was er uns mit seiner direkten Handkamera zeigt. Auf der anderen Seite ist er geheimnisvoll und zunächst auch irritierend, in dem wie er uns seine Geschichte in den Wäldern kommuniziert. Der Zuschauer wird hineingeworfen und muss anschließend anordnen und einordnen.

“Wintersonnenwende” ist so etwas wie ein enigmatischer Film, der seinen Fokus auf die Charaktere setzt, aber seine Inhalte, das worum es konkret geht, chiffriert, zum Rätsel werden lässt und das macht dann auch den Reiz des formal bedrückenden und elliptisch erzählten Kurzfilms aus. Er verhandelt die Verstörung einer Jugendlichen in einem Dialog. Zwei Geschwister (Mia Lüscher und Sebastian Zemann) treffen hier in einem Wald wieder aufeinander, reflektieren über ihr Leben. Es wird von “ihm gesprochen”. Er ist tot. “Er”, das meint hier den Vater der beiden Geschwister. Es wird von abwesenden Müttern gesprochen und von ihm, dem Bruder, der ihr versprochen hätte nicht zu gehen. Der Bruder, der versprochen hatte, immer auf sie aufzupassen und dann doch gegangen wäre, weil ihm da etwas wichtig gewesen wäre. Nun wäre alles kälter. Dort. Zuhause. Erinnerungen kommen hoch. Er (Sebastian Zemann) hätte alles Feine von seiner Mutter, sie (Mia Lüschner) hätte alles Grobe von ihm und doch steht am Ende die Erkenntnis fest, dass sie nicht wie ihr Vater ist oder sein will. 

®Marcus Hafner

Konkret thematisiert der Film mit diesen chiffrierte Sätzen nichts anderes als den Missbrauch einer Tochter durch ihren Vater. Sie wollte den Hof von ihm nicht übernehmen. Sie sagte es ihrem Vater aus Scham und Angst vor ihm nicht. Er war krank und nun hat sie ihn getötet. Es ist ein Film, der Wunden an die Oberfläche bringt und über dem Schwere und Düsternis in den verbleichten Bildern zu liegen scheinen. Es ist dialoglastiges und doch dabei stilles Werk, das von Schwermut beherrscht wird und es wieder einen starken Bezug zur mysteriösen Natur gibt. Denn dort kommt es zur Aussprache der Figuren. Dort wird der gesamte Film verhandelt. Man weiß lange nicht worum es geht, aber das schafft Spannung. “Wintersonnenwende” balanciert als Momentaufnahme zwischen verrätselter Stilisierung und gekünstelter Verschlossenheit. Das macht den Film, so diffus und prätentiös er auch zunächst erscheinen mag, so eigentümlich attraktiv. 

Man kann diesen Film von Simon Schneckenburger am ehesten als Befreiungsschlag seiner Protagonistin verstehen, eine Raupe wird hier – so deutet das Voice-Over zu Beginn an – zum Schmetterling, eine Metamorphose wurde in Gang gesetzt. Es ist ein Film – mit fast biblischen Überbau, wenn von Vater, Tochter und Bruder in einer archaischen Gesellschaft auf einem kleinen Hof im Nirgendwo erzählt wird – über das Ende der Unschuld, das Vergessen, den Schmerz und die Einsamkeit. Es ist ein Werk über das Erwachsenwerden, über den Moment, wo vielleicht etwas stirbt, aber auch etwas zu leben beginnen kann. Genauso wie sich das Seitenverhältnis des Films auch fast ganz unmerklich zunehmend weitet, um das Gefühl der Freiheit seiner Protagonistin formal zu zementieren. 

®Marcus Hafner

“Wintersonnenwende” war als Bewerbungsfilm von Simon an der Filmakademie Ludwigsburg gedacht war und wurde innerhalb von zwei Drehtagen umgesetzt. Dabei stand die Arbeit mit den Schauspieler*innen im Vordergrund, bei dem er viel Energie in die Vorarbeit ihrer Figuren steckte. Der Film wurde dabei begleitet von Regen und Sonne und in einem kleinen und bereits erprobten Team in der dankbaren Kulisse eines Wald umgesetzt, sodass Simon diesen Film rückblickend als kurze, aber intensive Arbeit beschrieb. Das nächste Projekt würde das Gegenteil von einer kurzen Arbeit und zu Simons bis dahin ambitioniertesten Projekt werden, das ihn einige Nerven kosten würde. Methodisch hinsichtlich des Spiels mit einem Enigma dürfte er “Wintersonnenwende” aber nicht unähnlich sein. 

Am Tag die Sterne: (2017 | 44 Minuten)

®Marcus Hafner

Dies ist Simon Schneckenburgers Abschlussfilm an der Hochschule in Offenburg, wo er all seine Kräfte und sein vertrautes Personal zusammennahm, um dieses kleine, große Projekt zu stemmen, für das er sich vorab viel informierte und recherchierte, um sein Thema aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten. 

Der Film beginnt mit den malerischen Bildern einer Reise, eines Weges, der für seinen Protagonisten David (Max Hegewald) zurückführen und einen Heilungsprozess anstoßen soll, indem er in seinen provinziellen Heimatort zurückkehrt. Über diesem liegt für ihn immer noch der Schleier des Schweigens. Und auch wenn David zu Beginn nicht viele Menschen trifft, bekommen wir das Gefühl, dass hier ein Elefant im Raum ist, ein Wort, das ganz bewusst nicht gesagt wird und ein Ereignis, das die Leben aller hier verändert zu haben scheint. Ein junger Mann namens Jasper lag vier Jahre im Koma und ist nun gestorben. Seine Beerdigung findet statt, als David zurückkehrt. 

Etwas liegt in der Vergangenheit begraben, mit dem sich dieser junge Rückkehrer wieder konfrontieren muss – mit den eigenen Dämonen, Schuld und Sühne und der Frage, was für eine Rolle er in diesem Ereignis eigentlich gespielt hat. Denn vor Jahren ist ein Amoklauf in einer Schule in diesem kleinen Ort passiert. Davids Bruder war der Täter. 

Diese Figur David, dem Bruder des Amokläufers, habe Simon bei der Arbeit am Film sehr beschäftigt, weil man mit diesen Personen keinen persönlichen Kontakt aufbauen könne, um sie zu befragen, weshalb er fachkundige Psycholog*innen und Artikel zu dem Thema konsultierte. Für ihn hätte dabei immer die Heimatlosigkeit der Figur im Vordergrund gestanden, die zurückkehrt, um wieder zurückkehren zu können. Denn gerade dieser Aspekt der Figur, die aus ihrem Heimatdorf floh, habe ihm geholfen eine Verbindung aufzubauen. David ist eine Figur, die nie Abschied nehmen konnte, weil sie auf der Seite des Täters stand und nicht auf der der Opfer. Ihm fehlt ein Prozess, der ihn an einem sorglosen Weiterleben hindern würde. Es sei dabei ein empathischer, zugegebenermaßen wenig kritischer Blick gewesen, den er auf seine Hauptfigur gehabt hätte, von der man schon behaupten könnte, dass sie und ihr Schmerz sich gerne in den Mittelpunkt stellen würden.

®Marcus Hafner

Der Film macht dabei ein Geheimnis, um das, was passiert ist und ein Rätsel darum, was David damit zu tun hat. Auf dem Friedhof trifft David dann schließlich eine alte Freundin und heimliche Flamme aus Schultagen, namens Mira (Franziska Brandmeier), der er seine Liebe nie eingestehen konnte, und die – wie andere Frauenfiguren in Simon Schneckenburgers Filmen – auch hier als sensible Katalysatorin und Begleiterin für die männliche Figur dient, die das, was passiert ist, spiegeln und erklären kann. Der Film ist vornehmlich als eine nachdenkliche Reflexion des Protagonisten angelegt, in dem gedacht und gedachtes gesprochen wird. Wehmütig erinnern sich die Figuren an die Vergangenheit. Man erinnert sich, dass David, der seinem Bruder ähnlich sah, an dem Tag nicht in der Schule war und dass man vermutete, dass er von dem Amoklauf wusste. Er floh vor der Konfrontation, brach den Kontakt ab. Das machte die Leute noch wütender. Aber die Leute hätten sich nun auch verändert. 

Der Film besteht dabei zum Großteil aus dem Dialog dieser zwei Menschen, die zum Beispiel auf einer leeren Waldstraße entlang laufend, darüber reden, was sich verändert hat und was aus den Menschen geworden ist, die man kannte. “Am Tag die Sterne” ist ein dialoglastiger, aber feinfühlig arrangierter Film, der versucht imaginäre Bilder in uns zu projizieren. Über den Dialog gibt uns der Film, der damit eine ähnlich enigmatische Qualität besitzt wie “Wintersonnenwende”, Puzzlestücke, die wir zusammensetzen müssen. Dies beschwört der Film durch das Anekdotische herauf, sodass Bilder vor unseren Augen erscheinen mögen. Der Film setzt die Vergangenheit also nicht um, sondern wählt einen unaufgeregteren Ansatz, in dem er uns das Szenario vorstellen und seine Figuren ihre Geschichten erzählen lässt. Und das immerhin so konkret wie in keinem der bisherigen Filme. Manchmal wirkt das aber auch etwas steif. Wahrscheinlich, weil die Figuren sich in ihrem Dialog nicht verändern, sondern oftmals nur das beschreiben, was in ihnen vorgeht. 

®Marcus Hafner

“Am Tag die Sterne” zementiert zudem die Natur als Simon Schneckenburgers Lieblingskulisse. So zeigt auch dieses Werk wie schon die Vorgänger eine Naturverbundenheit. Auch hier strahlt die Natur etwas erhabenes aus – an Spielorten wie den Feldern, Wäldern, Friedhöfen und den verlassenen Straßen. Und doch schwebt über dieser beinahe menschenleer bebilderten (weil der Film sich wirklich nur an diese Locations zurückzieht) Idylle des Ortes auch immer etwas unheilvolles. Das mündet in einem Besuch bei Davids altem Zuhause, einem verlassenen Bauernhof, mittlerweile einem Lost Place und Geisterhaus. Nach der Ankunft hebt sich aber die Stimmung des Films, weil David das Haus zu Musik wieder aufräumt, auch positive Erinnerungen durchlebt und endlich wieder Licht durch die Fenster hineinlässt. Das Haus steht natürlich als Metapher für Davids eigenen, inneren Zustand. 

“Am Tag die Sterne” ist dabei der bis hierhin visuell eleganteste Film von Simon Schneckenburger, der durch eindrückliche Zurückhaltung besticht, zwischen Ruhe und Bewegung pendelt und vor allem auch oft die Natur für sich sprechen lässt. Die Natur nimmt bei dieser Suche des Protagonisten mehr als jemals zuvor einen großen Stellenwert ein. Die Bilder beginnen durch sie zu atmen. Der Film ist dazu behutsam erzählt, in seinen besten Momenten zart seine Figuren erfühlend und auch hier geht es mehr um eine Stimmung, denn um einen Plot. 

Eine Methode, die Simon Schneckenburger hier erstmals für sich eingeführt, ist, dass er über einen Dialog von zwei Figuren (hier: In einem Schwimmbad) beginnt Schnittbilder zu legen, die Momente der Zweisamkeit, die Annäherung der Figuren, zementieren (oder wir sehen zwei Figuren, hören ihre Worte, sehen sie aber nicht sprechen). So gibt er dem Dialog eine zusätzliche visuelle Ebene, die diesen eindringlicher, fühlbarer macht. Dies wird er in kommenden Filmen weiterführen, obgleich solche Einzelmomente nur sehr dezidiert vorkommen werden.

Dennoch scheint es mir bemerkenswert zu notieren, da sie eine spielerische Abwechslung in seinen Filmen darstellen und uns auch ein Gefühl für Simons Lust am Spiel mit der Form, also der Montage oder dem Aufbrechen von Chronologie, zeigen. 

®Marcus Hafner

Man sieht an diesem Werk also, was Simon Schneckenburger über die Vielzahl seiner Filme gelernt hat, wie er sich weiterentwickelt hat. Ich möchte damit keineswegs behaupten, dass dies schon komplett rund und vollendet wäre. Das wäre naiv. Aber man sieht einen Zwischenschritt.

Der Film hangelt sich an Erinnerungen entlang, seine Dialoge haben aber immer noch etwas artifizielles und stilisiertes. Das mag daran liegen, dass die Figuren zum Großteil nur einen Status Quo haben. Sie müssen sich erinnern, kommen nicht davon weg, immer und immer wieder. Das kann enervieren, ist aber die Methode des Films, nicht nach vorne schauen zu können, weil die Last der Vergangenheit so schwer wiegt. Die Darsteller*innen versuchen dem Film dazu etwas zurückgenommenes zu geben, hauchen durch ihre schauspielerische Reduktion dem Film Sensibilität ein.

Das Drehbuch und damit auch der Film malen aber dagegen mit manchmal zu dicken Pinselstrichen, wenn Schneckenburger seine Figuren emotional eskalieren oder sich erklären lässt. Man kann gerade diesem Film sehr wohl seine Geschwätzigkeit vorwerfen, das er immer und immer wieder das gleiche betont, seine Figuren durch Dialog erklären muss und sie sich selbst erklären. Sie gieren vom Zuschauer nach Verständnis und Empathie.

Das ist dann auch die andere Seite des Films, die ebenso berechtigt kritisieren kann, wie das, was man an ihm und dieser Herangehensweise positiv – nämlich die Diskretion gegenüber dem Thema, das Spiel mit dem Geheimnis –  finden kann. Betrachtet man das nun alles kritisch, ist das mitunter anstrengend wie die zwei Personen dieses Stücks, zueinander und dann wieder auseinanderdriften, immer dasselbe verhandeln, bis der Film und sein Wissen dann auch irgendwann in der Mitte einfach nur noch still stehen. Der Filmemacher versucht immer wieder andere Momente zu finden, die exakt das gleiche der vorherigen Szene(n) nochmal anders ausbuchstabieren. 

®Marcus Hafner

Nach langen Gesprächen – und wartenden Zuschauer*innen – stellt sich David dann auf eigene Faust der Vergangenheit. Er geht in den Dorfclub und konfrontiert sich erstmals mit alten Gesichtern, bleibt nicht unbemerkt von den Blicken der Anderen. Die Kamera ist dann ganz dicht bei ihm, sein ständiger Begleiter. David beginnt zu tanzen, um frei zu sein. Er will wieder Teil der Gesellschaft und unter Menschen sein. Er möchte für diesen Moment einfach nur sein, nicht denken. Es ist ein Augenblick wie in einer Blase, der aber nur kurz anhält, denn im nächsten Augenblick eskaliert die Situation und jemand schlägt David eine Bierflasche über den Kopf. Man wähnt sich dann im folgenden in einem Film von Gaspar Noé. Der gesamte Moment im Club spielt sich in (also fast) zwei Plansequenzen ab, die durch den Angriff auf David markant gesplittet werden. Die erste davon ist pulsierend, nimmt eine Vorwärtsbewegung ein, scheint eine vermeintliche Befreiung zu dokumentieren: Eine Blase, in der sich David beginnt sicherer zu fühlen.

®Marcus Hafner

Die zweite Plansequenz, in der David wieder aus der Gesellschaft verbal verstoßen wird und zu bluten beginnt, ist das Gegenteil davon: Diese ist spektakulär, effekthascherisch laut und überzeichnet inszeniert, sodass dieser Moment bei all den großen Gesten, die man da verfolgen kann, auch ein bisschen ulkig wirkt. Als wäre man dann kurzerhand in einem plakativen Genrefilm gelandet. Die Kamera wirkt nun gehetzt und destabilisiert, indem wie sie diese übersteigerte Eskalation in Szene setzt. Ein formaler Anspruch ist da, aber diese gesamte Plansequenz wirkt in ihrer Art und Weise eher wie aus der Fantasie ihres Regisseurs entsprungen, der für den Moment das Authentische, das Realistische, vom Hof zu jagen scheint und damit auch aus seinem eigenen Film reißt. 

Das klingt hart und ist vielleicht auch für einen Nachwuchsregisseur zu viel verlangt, bei einem solchen Moment genau ins Schwarze zu treffen. Aber man bekommt das Gefühl nicht von sich los, dass sich der Film an dieser Sequenz die Zähne ausbeißt. Vielleicht hätte es auch genügt, einfach nach dem Knall ins Schwarz zu gehen und den Rest der Phantasie des Zuschauenden zu überlassen, als es ihm ins Gesicht zu schreien, dass der Hass immer noch da ist.

Dennoch möchte ich nicht dementieren, dass der Aufbau bis dahin durchaus lehrbuchhaft umgesetzt ist und man kann von dieser Sequenz halten, was man will, aber sie besitzt zumindest Wucht. Aber vielleicht ist hier etwas zu viel des Guten am Werk, zu viel Schock muss es sein, zu dick sind die Striche, mit denen diese Sequenz gemalt wurde und man driftet so vom eigentlichen Kern etwas fort. 

®Marcus Hafner

Am Ende bleibt ein Scherbenhaufen zurück, eine zertrümmerte Hoffnung auf einen Neuanfang, der sich einmal in der nun wesentlich düsteren und expressionistischen Bildsprache als auch in Davids Heim wiederfindet. Der brodelnde Schmerz bleibt. David zieht wieder von dannen.

Für Simon Schneckenburger wäre dies aber nicht das Ende: Sein Film würde nur einen Zwischenschritt, eine Episode im Leben seines Protagonisten bilden, der zwar für den Moment pessimistisch sein würde, aber für ihn da gäbe es immer noch einen Schimmer am Horizont, die Sterne am Tag. Die Reise seines Protagonisten ist nicht vollendet. Es sei für ihn immer ein Komma gewesen, denn ein Punkt könne dort gar nicht stehen, das bedürfe mehr aufzuarbeiten, als, was sein Film zeigen würde.

“Am Tag die Sterne” zeigt im Schaffen seines Regisseurs dessen Vorliebe für Blicke, Beobachtungen und das Austauschen seiner Figuren, das er geruhsam und hingebungsvoll bebildert und dessen sorgsam inszenierte Ruhe man durch die schwelgerischen Bilder der Natur genießen kann. So schön und hell das Licht des Tages ist, umso dunkler ist die Vergangenheit, die sich vor unserer Imagination in diesem Film (durch Menschen und Orte) ausbreitet. Simon Schneckenburger wollte nach eigenen Worten einen Gegenentwurf, einen hellen Film zu Thomas Siebens “Staudamm” erzählen, der auch um das Thema Amoklauf kreist, ihn aber kaum an seiner Geschichte teilhaben gelassen hätte, weil dort alles so schlicht grau und furchtbar gewesen wäre. Und so konnte sich Simon für seine Geschichte nicht vorstellen, warum sein Protagonist, wenn er das so erzählt hätte an diesen Ort seiner Jugend zurückkehren wollen würde. Weitere Einflüsse des Films benennt er mit “What Richard did” von Lenny Abrahamson und natürlich – wen wundert es? – “Enter The Void” von Gaspar Noé für die Clubszene. Im Rückblick ordnet Simon den Film wie folgt ein: 

“Das ist für mich der Film mit den größten Steinen im Weg. Ich bin stolz, nicht auf den Dreh, aber auf das, was alle geleistet haben. Überall. Das größte Wunder an diesem Film ist, dass dieser Film so ist wie es ist. In allem wie er ist, wirkt wie er wirkt.” Ich bin einfach froh dass es ihn gibt, denn es gab Momente beim Dreh, wo ich nicht daran geglaubt hätte, dass das passieren wird. “

Der Film wäre in seiner Lauflänge ein Hybrid geworden zwischen Kurz- und Langfilm: Etwas, das Simon nie wieder machen würde, weil diese Form nur auf einer begrenzten Anzahl an Filmfestivals sichtbar werden würde. Aber dieser Film hätte ihn weitergebracht, obwohl man sich vielleicht noch mehr erhofft hätte: Er lief unter anderem beim Up- and Coming-Filmfestival, dem deutschen Nachwuchsfilmpreis und gewann diesen auch. So sicherte Simon dieser mittellange Film eine Patenschaft mit einem professionellen Produzenten zu, die bis heute ein wichtiger Anker für ihn ist, um sich zu verbessern und Kritik zu bekommen. Überhaupt wäre das Up-and-Coming Filmfestival für ihn ein besonderes Filmfest, weil es einmal das erste Filmfestival war, wo er (mit “Den Regen im Blick) je war und weil es eine immense Spannbreite von Filmen (von Grundschüler*innen, Filmstudent*innen, national, international) bieten würde, die Macher*innen mit Herz und Seele dahinter stehen würden und dies unheimlich viel Spaß machen würde zu sehen. 

Exkurs – Der Bezug zur Natur

„Im Rauschen“ | ®Marcus Hafner

An dieser Stelle von Simon Schneckenburgers Schaffen scheint die Frage angebracht zu sein, warum die Natur eine solch markante Rolle in vielen seiner Filme spielt und warum sie seinen Figuren auch immer als Fluchtpunkt, als Eskapismus von der Zivilisation dient, wo sie für einen Moment ruhen oder sich sicher fühlen können. Dieser Aspekt lässt sich zumindest auch durch die Biografie seines Regisseurs erklären, der am Fuß des Schwarzwaldes aufwuchs und immer sehr nah an der Natur, ihren Wiesen und Wäldern, in der Kindheit lebte. Durch seine Filme bringt er vielleicht auch eine Sehnsucht zum Ausdruck, wieder die Nähe zu ihr, die er in der Kindheit besaß, herzustellen. Natur zu filmen, das würde für ihn bedeuten, dass alles, was man filmt viel organischer sei. 

Sein Ziel beim Filmen der Natur sei es auch immer wieder abseits der bildlichen Klischees zu suchen. So wären die deutschen Wälder für ihn noch nicht tot gefilmt. Sondern es würde noch viele unentdeckte Bilder geben, deren Schönheit in ihrer Ursprünglichkeit liegen würde. So verinnerlichen viele seiner Filme auch das Motiv der Waldeinsamkeit, das die Einsamkeit im Wald als positive Erfahrung der Verbundenheit des Menschen mit der Natur konnotiert. 

Was Ihr nicht Seht (2018 | 7 Minuten)

®Marcus Hafner

Nachdem er sich mit Hilfe von “Am Tag die Sterne” erfolgreich bei der Auswahl an der Filmakademie Ludwigsburg qualifiziert hatte, musste Simon einen innerhalb von 72 Stunden produzierten Kurzfilm drehen, um sich weiter im Bewerbungsprozess zu qualifizieren. Es gab drei Themen und zwei Stile als Vorgaben zur Auswahl: Die Blume des Bösen; Unterbrech mich, wenn ich nicht spreche; Generation Y als Themen und als Stil Komödie oder Bild-Ton-Schere. In beiden Fällen entschied sich Simon Schneckenburger für letztere Option und trommelte für dieses Projekt all seine Wegbegleiter*innen zusammen, auf die er sich verlassen konnte. 

Zwei Jugendliche (Sebastian Zemann und Mia Lüscher) brechen nachts in jugendlicher Euphorie in eine Sporthalle der Schule ein und wollen für einen Moment einfach frei und sorgenlos sein. Sie spielen Cowboy und Indianer. Doch ein Schmerz hat sich in der Brust des jugendlichen Protagonisten Jonas (Sebastian Zemann) angestaut, der erst noch entschlüsselt werden muss und der am Ende zum Ausbruch kommen wird. Es gibt wieder nachdenkliche Gespräche über Zukunft und Stillstand, Einsamkeit und Verlorenheit, von welchen, die nicht wissen, was sie tun oder in Zukunft tun wollen. Ein Gefühl des Abschieds schwingt auch durch diesen Film, der bedächtig beobachtet, aber auch mit der konventionellen Form bricht. Denn der Film ist angefüllt von vereinzelten Zeitlupen und fragmentarischen, in grelles Grün oder Blau getauchten Stimmungsbildern, die in das Gespräch assoziativ montiert werden. Das, was aber hier Plot ist, das muss man schon konstruiert finden. Aber darum geht es ja zum Glück auch nicht. Folglich ist dies eine vor allem stimmungsvolle Fingerübung, über der Melancholie und Traurigkeit zu liegen scheinen.

®Marcus Hafner

Auch dieser recht intuitiv wirkende Film von Simon Schneckenburger zielt auf die Nöte seines männlichen Protagonisten ab, denn der wurde anscheinend beim Masturbieren gefilmt und hat nun seinen Ruf in der Schule verloren. Wie soll er jetzt mit Spott und Scham weiterleben? Viel erfahren wir sonst nicht über die Figuren. Der Film belässt diese Geschichte auch nur bei Andeutungen, denen Simon Schneckenburger treu bleibt. Ansonsten dekliniert der Film das alte Spiel von der Annäherung von Jungen und Mädchen durch, das schon vorhergehenden Kurzfilme gespielt haben: Er ist zu schüchtern, um ihr seine Liebe zu gestehen. Ihre Blicke treffen sich, es entsteht etwas. Es kommt zur Ekstase, zur Verschmelzung der Körper durch einen Kuss, der jäh unterbrochen wird. Ein Klassenkamerad taucht plötzlich in der Dusche auf, der Jonas erneut erniedrigt, und dieser verwandelt sich im Affekt zum Monster. Persönlicher Schmerz wird zur Wut und wir erleben – nach “Am Tag die Sterne” – noch einmal eine viel zu überzeichnete Plansequenz, die in einem Ausbruch der Gewalt kulminiert.

Die ruckartige Handkamera dieser Sequenz bricht radikal mit dem vorher meditativen Stil des Films. Das wirkt aber auch hier wieder eher befremdlich, weil das erneut alles viel zu groß und grotesk gedacht wird, auch wenn die Glasflasche in diesem Fall auch nur im Off über den Kopf geschlagen wird. Wieder fühlt man sich in einem anderen Film, durch den nun ein Hauch von Absurdität schwingt. Vielleicht muss man an dieser Stelle auch einfach festhalten, dass Gewalt anscheinend nicht das Metier dieses Regisseurs ist. Denn sie verkommt zur Farce, die angestrengt umgesetzt und aus dem eigenen Film kopiert ist. Aber sie wirkt nicht intensiv, weil Simon Schneckenburger den gleichen Fehler noch einmal macht: Dieser Augenblick will genauso funktionieren wie der in “Am Tag die Sterne”, bloß, dass die Gewalt hier von unserem, in dem Moment böse grimassierenden Protagonisten, ausgeht. Immerhin kann man das konsequent finden.

Der Nachhall dagegen, das Blut, das sich mit Wasser mischt und in Abfluss fließt, das Handy, das unter den Scherben der Glasflaschen weiterhin aufnimmt, der abschließende Schnitt, das ist dagegen poetisch angeordnet. Am Ende folgt eine Flucht des Protagonisten per Fahrrad. Wohin er flieht, das können wir nur mutmaßen (wahrscheinlich zieht es auch ihn in die Natur). Es ist in jedem Fall das Ende der Unschuld, das hier durch einen Schock vollzogen wird.

®Marcus Hafner

“Was wir nicht sehen” ist in Simon Schneckenburgers Schaffen definitiv kein Kurzfilm, der vorwärts geht, aber Spaß an der Form, am Fragmentarischen hat. Simon selbst gibt zu, dass es bei diesem Film natürlich als Werk, das von einer Kommission gesichtet wurde, darum ging Aufmerksamkeit zu erzielen und plakativ im Gedächtnis zu bleiben, um den Platz an der Filmakademie zu bekommen. So war es dann ein bewusster Mash-Up, ein Best-Of seiner vorherigen Filme, in dem er der Filmakademie unbedingt beweisen wollte, dass er einen persönlichen Stil besitzt. Dafür zitiert er sich hierbei ausgiebig selbst. 

“Was wir nicht sehen” ist also sichtbar ein Film, der lauter Schwingungen an seine Vorgänger hervorruft. Sie zitiert, variiert oder imitiert. Der Stil von Simon Schneckenburger wird hier, immerhin ganz bewusst, zum reinen Selbstzweck. Das klingt schlimm, ist aber trotzdem ein reizvoller Film, eine Zusammenfassung seines Filmemachers, der seine markantesten Momente auf sieben Minuten verdichtet und damit durchaus ein Resümee seines bisherigen Schaffens zieht: Eine Reflexion. Eine Spiegelung, was ihn ausmacht. Vielleicht würde dieser Film daher als kryptischer Einstiegsfilm in Simons Schneckenburger Schaffen taugen. 

®Marcus Hafner

Hinsichtlich seines Themas, der Generation Y, wollte Simon Schneckenburger dabei die Sphäre zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit in den sozialen Medien skizzieren und dies in dem Kosmos der Schule, wo diese Dynamiken noch aufgeladener sind. Formal wäre es ihm um das Ausprobieren gegangen und bei der Plansequenz schließlich darum einen Moment im Himmel für die Figuren in eine Hölle zu verwandeln. Er wollte ihnen das Intime rauben und die Gewalt im Gesicht seiner Protagonistin (Mia Lüscher) spiegeln lassen, weil er es spannend fand, was die Konfrontation mit Gewalt bei Menschen auslöst. Hinsichtlich des Drehs resümiert er weiterhin: 

“Es ist für mich der Film, der einfach wieder so eine helle Freude beim Machen bei mir hervorgerufen hat. Ich lasse mich gerne von dieser Verspieltheit wieder anstecken. Es ist der kürzeste Film, den wir gemacht haben. Wann macht man schon mal Sieben-Minuten-Kurzfilme? Er ist der Beweis, dass du mit einem 5 oder 6 Leute Team einfach was schönes machen kannst. Mir war es wichtig den einzelnen kreativen Gewerken gegenüber total offen zu sein, in 72 Stunden hast du gar keine andere Möglichkeit, als den Leuten zu vertrauen und ihnen ihre kreative Spielweise zu lassen. Diese Herangehensweise hat mich bestärkt, dass ich bei der audiovisuellen Umsetzung auch weiterhin offen bleiben möchte.” 

Simon wurde mit diesem Film schließlich an der Filmakademie Ludwigsburg angenommen.

Im Rauschen (2019 | 12 Minuten)

®Marcus Hafner

Eigentlich gehört dieser Film nicht an diese Stelle der chronologischen Filmographie von Simon Schneckenburger, da dieser noch vor “Was ihr nicht seht” entstand. Es scheint mir aber nicht richtig “Im Rauschen” vor diesen Film zu setzen. Denn “Im Rauschen” stellt eine Zäsur in dem Schaffen seines Regisseurs dar. Es ist sein ungewöhnlichster Film, also in dem Sinne, dass dieses Werk am weitesten weg von seinen Vorgängern ist und uns ein – zumindest im Ansatz – neue Ausrichtung in Simon Schneckenburgers Schaffen liefert. Betrachten wir die Figuren von Simon Schneckenburgers Filmen als einen homogenen Figurentypus, als verschiedene und sich manchmal doppelende Teile einer Persönlichkeit, so führt “Im Rauschen” zurück in die Kindheit dieses Typus. 

Es ist ein märchenhafter Coming-of-Age-Film, in dem zu Beginn ein kleiner Junge, wie ein Jedi-Ritter, durch die Wälder streift und man so eine Ahnung von magischen Realismus bekommt, weil die Wälder aus den Augen des Kindes so verwunschen wirken. Wir begleiten dieses Kind namens Oskar (Finn Merk) dabei wie er versucht mit einem Spielzeug-Rekorder die Töne des Waldes aufzunehmen. Da muss man natürlich an “Blow Up” von Antonioni, “Blow Out” von De Palma und “The Conversation” von Coppola denken. Oskar ist ein autistischer Außenseiter, der sich in seiner eigenen Welt der Töne einschließt, von den anderen Kindern separiert ist und von seiner eigenen Schwester gehänselt wird. Wir erfahren über den Verlauf der Geschichte, in dem Oskar die Gespräche der Erwachsenen aufnimmt – die komplett anonym aus den Augen des Kindes betrachtend bleiben –  dass seine Mutter nach seiner Geburt gestorben ist. Sie war an Krebs erkrankt. 

®Marcus Hafner

Es ist ein einfühlsam beobachtender Film, der mit seinem Helden Oskar auf einen Streifzug, eine Odyssee der Wahrnehmungen geht, um Töne einzufangen. Der Film setzt das Thema visuell durch ein Spiel mit Schärfen und Unschärfen um oder durch eine zarte Vignette der Bilder, die wie ein eleganter Schleier über ihnen liegt. Ein Hauch von Melancholie durchzieht dann auch diesen Film, der einen originellen Blickwinkel durch die Augen dieses Kindes bereithält. Es ist ein Blick, der ausgeprägt auf Details und Feinheiten schaut. Das Rätsel, das viele Filme von Simon Schneckenburger vorher im Dialog verhandelten, wird auch hier erstmals durch die sehr audiovisuell orientierte Inszenierung zementiert. Es entsteht ein subjektives Erfahren für den Zuschauer und dadurch ein Sog. 

Simon Schneckenburger kommt bei “Im Rauschen” endlich weg von den endlosen Zweier-Dialogen, sondern vertraut ganz auf das audiovisuelle Element des Films und spart aus. Das Werk ist eine schöne Weiterentwicklung seines Regisseur, die uns prägnant von der Einsamkeit und der Sehnsucht nach Liebe seines jungen Protagonisten erzählt.

®Marcus Hafner

Die formale Idee zum Kurzfilm kam Simon Schneckenburger, als er auf einer Hochzeit filmte und mit der Kamera einem Kind bei der Zeremonie folgen musste. Aus dieser für ihn genuinen Perspektive eines Kindes, die bis zum Torso eines Erwachsenen ging, entdeckte er etwas, das erforschen wollte. Der Inhalt dagegen basierte auf einem Konflikt – Chemo vs. ein gesundes Kind – mit dem er in seinem Umfeld selbst konfrontiert wurde. Dies wurde zur Vorgeschichte seines Kurzfilms, bei dem nur noch die Frage bestand, wie er diese Situation auf das Kind übertragen konnte. So kam es schließlich zur Idee, dass Oskar nur mit Hilfe des Aufnahmegerätes Kontakt zur Außenwelt aufnehmen würde und man dadurch die Informationen, die der Zuschauer durch das Gerät hört, auch lenken könne. Da dieser Film vor “Was ihr nicht seht” entstand, der seinen Fokus auch weiter im audiovisuellen Erzählen hält, arbeitet Simon, inspiriert von anderen Kurzfilmen, die er auf Vimeo gesehen hatte, und ermüdet von seinen eigenen Talking-Heads-Filmen, hier auch erstmals nonverbaler, viel fokussierter mit der Bildsprache. 

“Das Tolle am Kurzfilm ist, dass ich mit der Form experimentieren und spielen kann, weil das Spiel oder Konzept womöglich nur für dieser kurzen Dauer funktioniert, aber nicht länger. Ich muss beim Kurzfilm niemanden was beweisen, er ist also sehr geeignet um sich auszuprobieren. Das ist eine Chance. Man muss beim Kurzfilm einfach ausprobieren.”

Dieser Ansatz ermutigte ihn schließlich bei “Im Rauschen” auch erstmals mit Kindern zu drehen. Das war für ihn eine der großen Herausforderungen, denen er sich in seinen Kurzfilmen noch nicht gestellt hatte und die er gerne in Angriff nahm.  

“Wenn ich an “Im Rauschen” denke, dann habe ich gelernt, das was ich beibehalten will, ist der offene Blick. Die Aufmerksamkeit bei den Proben oder am Set. Denn was dort entsteht, entsteht oft ganz beiläufig. Bei Kindern vielleicht besonders. Da ist so viel, was dich inspirieren kann oder entdecken kannst. Finn hat zum Beispiel einen Tierschädel entdeckt und mich gefragt, was mit dem Tier passiert ist. Das habe ich mit in den Film genommen. Das und viele andere Details, die nun den Film bereichern. Kindliche Neugier ist wahnsinnig inspirierend, da muss man sehr aufmerksam sein.”

Ich glaube, es geht ans Ende der Welt [2020 | 16 Minuten]

®Nico Schrenk

Dies ist nun Simons erster richtiger Film an der Filmakademie Ludwigsburg, der seinen vorhergehenden Ansatz, Kurzfilm als Spielwiese zu begreifen, weiter zementiert. Sein neuster Film ist ein historisch orientiertes Werk, das einen Blick in die eigene familiäre Vergangenheit wirft und ein ideales Beispiel dafür ist, dass bei Simon nun vor allem die audiovisuelle Form bestimmend ist. Das heißt, wie er Inhalte durch die Form besonders aufbereitet. Denn die Chance dieser Experimente würde für ihn immer darin liegen, auszuprobieren und zu scheitern: Abseits des Drucks, der Selbstverwirklichung oder des Gefallens zu lernen, was funktioniert und nicht funktioniert. Oder zu bemerken, wo man im nachhinein noch viel radikaler hätte sein können und sich vorher ausgebremst hat (ein Beispiel bildet dafür sein nie gezeigter Übungsfilm “Betrunkene Bäume”). Für Simon steht dabei vor allem der Spaß beim Machen im Vordergrund. Filme zu machen, die auch Freude bereiten zu sehen. Denn sich zu wiederholen, so reflektiert Simon, würde im Gegensatz dazu keinen Spaß machen.

In “Ich glaube, es geht ans Ende der Welt” widmet er sich der Geschichte seines eigenen Großonkels, der im zweiten Weltkrieg eingezogen wurde und 1943 Suizid vornahm. Seine Ängste und Hoffnungen wurden dabei in knapp 500 Briefen dokumentiert, die der Film zu einem essayistischen Porträt eines verlorenen Träumers anordnet. Bis zu der Arbeit an diesem Film wusste Simon nichts von der Existenz dieses Großonkels, der in der Familie totgeschwiegen wurde und den Simon mit diesem Film wieder in die Familie integrieren wollte. Der Regisseur sah seine Verantwortung –  in einer Zeit, in der immer mehr Zeitzeugen durch den Tod verstummen –  sich mit dem zu beschäftigen, was jahrelang in seiner Familie auf dem Dachboden lag und mit den Hinterlassenschaften in den Staub geschoben wurde. Er wollte sein Teil eines großes Puzzles, das die Weltgeschichte darstellt, an die Oberfläche bringen. Er wollte etwas archivieren und in eine Chronik bringen, selbst wenn dies eine emotional belastende Erfahrung werden würde. Folglich ist “Ich glaube, es geht ans Ende der Welt” auch ein therapeutischer Film, in dem ein Regisseur eine Katharsis vornimmt, sich mit etwas eigenem sehr deutlich konfrontiert. 

®Nico Schrenk

Der Film setzt die Leidensgeschichte von Emil (Sebastian Zemann, dessen Gesicht wir aber in diesem Film nie zu sehen bekommen) in einer eindrücklichen und auditiv sehr greifbaren Montage von eher abstrakten bis assoziativen Sequenzen um. Diese werden vom Voice-Over, das aus den dokumentierten Briefen von 1941 bis zum Tode Emils 1943 reicht, getragen. Die Bilder stellen Metaphern dar, geben dem Text eine zusätzliche Ebene, in dem sie nicht das zeigen, was diese Figur erlebt. Sondern sie geben mehr wider wie sich einerseits innerlich fühlt, wie sie brodelt und was sie sich andererseits vielleicht wünscht, wo sie gerne wäre. Das bedeutet in diesem Fall natürlich wieder den Protagonisten bedächtig bei seinem fragmentarischen Streifzug durch die Natur zu beobachten. Man kann diesen Film auch anders beschreiben: Das, was wir sehen, das ist in den meisten Fällen eine Art Himmel, der Text dagegen die Hölle, in der sich Emil befindet. Die Bebilderung ist Eskapismus von dem, was er dort erlebt. Je weiter der Film voranschreitet, umso lauter werden Emils Schreie der Verzweiflung durch die Briefe kommuniziert.

Betrachtet man den Film in der Gegenwart des Kinos so kommt man nicht umhin ihn mit Terrence Malicks “A Hidden Life” zu vergleichen, der sich mit dem Leben eines Widerstandskämpfers in Zeiten des zweiten Weltkriegs beschäftigt und der Natur einen gewichtigen Raum in seiner Visualisierung einräumt. Und das, obwohl Simon Schneckenburger niemals einen Film von Terrence Malick gesehen hat. Dennoch fällt es leicht “Ich glaube, es geht ans Ende der Welt” als abgespeckte Version von Malicks Film zu lesen, wegen der Verbundenheit der Natur, der Suche nach Erlösung, dem Zweifeln und  Verzweifeln, der Religiosität (Emil möchte Priester werden), dem Voice-Over, das aber auch wesentlich konkreter ist als in jedem Malick Film, und der malerischen Bildästhetik. 

®Nico Schrenk

Damit tut man dem Film aber vielleicht doch unrecht. Besonders, wenn man den Film deshalb beginnt schnell in eine Schublade zu stecken. Eine Qualität die dieser performative Film nämlich auf jeden Fall besitzt, ist etwas zu archivieren und eine Geschichte sichtbar zu machen in einer besonderen Form. Eine Form, die man gleichermaßen als prätentiös verschreien könnte als auch für ihren reizvollen Zugang über das Audiovisuelle, das hier zum Dickicht wird, zu loben. In Simon Schneckenburgers Schaffen wird man diesen Film bisher als einen Film der Form einordnen müssen, weil dort das Reizvolle des Films liegt. “Ich glaube, es geht ans Ende der Welt” zeigt aber auch, dass dieser Regisseur uns nun auch mit neuen Blickwinkeln überraschen kann und nicht mehr bereit ist, sich im Kreis zu drehen. Er will weiter gehen. 

Exkurs – Die unbesungenen Helden

Am Ende unser Reise möchte ich aber noch einmal auf die Leute verweisen, die zum Großteil die Filme ihres Regisseurs bis zu diesem Punkt der Geschichte mitgeprägt und mitgestaltet haben. Sie sollen nicht unerwähnt bleiben. Denn Simon liebt es mit den immer gleichen Leuten zu drehen, auf die er sich verlassen kann und die hinter ihm stehen. Dazu zählen Marcus Hafner als Kameramann, der von “Regen im Blick” bis hin zu “Im Rauschen” den visuellen Look für jeden Kurzfilm von Simon Schneckenburgers Filmen schuf, Alexander Schröder, der mindestens seit “Regen im Blick” (mit) am Schnitt sitzt, Timo Klabunde, der seit “Wintersonnenwende” für die atmosphärische Musik sorgt und Fabian Linder, der sich zunächst als Oberbeleuchter bei „Den Regen im Blick“ betätigte und die folgenden Projekte von Simon bis „Im Rauschen“ als Produzent unterstützte.

Seinen Kameramann Marcus Hafner traf Simon dabei auf der dörflichen Realschule, und sie bemerkten schnell, dass mit dem Medium eine ähnliche Leidenschaft teilen würden, die in gemeinsamen Quatschfilmen enden würde, die von Kung-Fu-Filmen, zu pubertären Splatterorgien zu eigenwilliger Inszenierungen der Klassenkameraden auf Schulausflügen führen würden. Wenige Jahre später, seit sich ihre Wege nach dem Abitur getrennt hatten und sie zwischenzeitlich unterschiedliche Pfade eingeschlagen hatten, begegneten sie sich in der Hochschule Offenburg wieder. Der andere Teil dieses kleinen kreativen Kollektivs, Alexander Schröder und Timo Klabunde, unter anderem Bandkollegen, waren Bekanntschaften aus dem Kreise von Marcus Hafner und so bildete sich diese zufällige Gemeinschaft. Diese ist jetzt an einen Punkt, an dem bisher nur Simon nun an der Filmakademie weiter studiert und dort auch mit neuen Kollaborateur*innen in den anderen, zentralen Gewerken arbeiten wird. Es wird also spannend bleiben – um es mit den Worten Simons zu sagen – wie es mit dieser Formation, dieser Filmband nach dem Studium weitergehen wird und vor allem, ob es weitergehen wird. 

Zusammenfassung

„Den Regen im Blick“ | ®Marcus Hafner

Etwas, das nun abschließend auffällt, betrachtet man alle Filme von Simon Schneckenburger als Linie: Wir haben bei diesem Regisseur einen ganz bestimmten Typus als Protagonisten, von dem er nicht loskommt. Es sind die Geschichten von Träumern, die einen Aufbruch vollziehen müssen. Alle seine Figuren müssen sich am Ende mit der Welt konfrontieren. Manchmal bringt diese Konfrontation mit der Realität eine Katharsis (“Den Regen im Blick”, “Wintersonnenwende”), manchmal nehmen sie davon etwas mit, das ihnen hilft weiter zu machen (“Am Tag die Sterne”), manchmal bedeutet das aber auch an dieser Realität zu zerbrechen (“Ich glaube, es geht ans Ende der Welt”). Simon Schneckenburger schildert diese Träumer an verschiedenen Stationen ihres Leben, sodass, wenn man nun einen Schritt zurücktritt und das große Ganze betrachtet, eine Art abstraktes Mosaik einer filmischen Persona, dem Träumer, entsteht. Diese Lesart wird auch dadurch bestärkt, dass dieser Typus zumeist von Sebastian Zemann verkörpert wird.

„Was ihr nicht seht“ | ®Marcus Hafner

Man kann diese Filme also als eine lineare Geschichte lesen, wenn man es will: “Im Rauschen” schildert die Kindheit von Simon Schneckenburgers “Träumer”, in der er erstmals mit Verlust und Einsamkeit klarzukommen versucht. Dann würde in dieser Reihenfolge “Nimmerland” folgen, der uns von der Jugend des “Träumers” erzählt. Dieser Film zeigt uns wie dieser hemmungslos schwadroniert, sich selbst zu wichtig nimmt und in seiner eigenen Welt lebt. Seine Rolle als Außenseiter wird dort zementiert. 

“Was ihr nicht seht” ist dann ein Film, der zwischen Flucht und Konfrontation pendelt. Er bebildert das Ende des jugendlichen Ichs des “Träumers”. Er kann hinsichtlich seines Schlussbilds einerseits als Ende der Unschuld interpretiert werden. Andererseits kann man den Film am Ende auch als Flucht vor dem Erwachsenwerden interpretieren, das dann wiederum in “Den Regen im Blick” mündet. Der “Träumer” flieht aus seiner Heimat und schreibt sich in einer Universität ein, beginnt ein neues Leben, aber die Schatten der Vergangenheit plagen ihn weiter. Er fühlt sich hier nicht wohl. Das ist der Status Quo dieses Films. Da “Den Regen im Blick” nichts konkret über die Vergangenheit seines Protagonisten Felix erzählt, sondern nur schwammige Andeutungen macht, könnte man das übergeordnet so lesen. 

„Den Regen im Blick“ | ®Marcus Hafner

“Den Regen im Blick” erzählt uns dann von der Flucht vor dem Erwachsenwerden. Er will sich damit nicht auseinandersetzen und verkriecht sich. Am Ende stellt sich Felix (dort der “Träumer”) aber doch seinen Problemen und wir landen in “Am Tag die Sterne”. Dort wird noch genauer auf den Prozess des Erwachsenwerdens eingegangen, in dem sich der Protagonist mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert.

“Wintersonnenwende” kann hinsichtlich der Geschichte von Simon Schneckenburgers “Träumer” als Subplot verstanden werden, in dem ihm die Flucht aus “Was ihr nicht seht” von seiner Familie (konkret: seiner Schwester) vorgeworfen wird. Natürlich erzählt dieser Film im Kern von etwas komplett anderem, aber man kann es, sofern man das Ganze als assoziatives Netz versteht, durchaus da eingliedern. 

Das letzte Puzzlestück in dieser assoziativen Verwebung bildet schließlich “Ich glaube, es geht an das Ende der Welt”. Diesen Film muss man noch vor “Im Rauschen” datieren, beschäftigt er sich doch mit einem Vorfahren der Figur des “Träumers”. Dieser Kurzfilm ist also wie die Wurzel, aus der alles sprießt. 

Diese spannende Lesart meinte ich nun, als ich schrieb, dass alle Kurzfilme von Simon Schneckenburger so ähnlich und doch gleichermaßen jeder für sich so unterschiedlich wäre. Das ist natürlich nicht von seinem Regisseur so bewusst intendiert. Aber allein die Tatsache, dass es möglich ist ein solches Gedankenspiel zu vollziehen und die Filme in einer neuen Reihenfolge durchaus sinnvoll zueinander anordnen zu können, das sagt uns viel über die persönliche Beschaffenheit des Werkes seines Regisseurs aus. Und das empfinde ich als etwas enorm wertvolles. 

„Wintersonnenwende“ | ®Marcus Hafner

Ein weiteres Thema, das sich so gut wie durch alle Filme von Simon Schneckenburger zieht, ist der Tod und der Umgang damit. Schon in seinen ersten Werken “Last Boy” und “Nimmerland” schwingt dieses Thema zwischen den Zeilen mit. In den darauffolgenden Filmen tritt es dann oftmals sehr präsent in Erscheinung: In “Herr Olsson und die Einsamkeit” versucht sein Protagonist nach dem Tod seiner Frau weiterzuleben und in “Am Tag die Sterne” ist seine Hauptfigur David für die Bewohner*innen seines Heimatdorfes eine Erinnerung an den Tod ihrer Geliebten und wird deshalb von der Gesellschaft ausgeschlossen. In “Was ihr nicht seht” und “Wintersonnenwende” sind die Held*innen möglicherweise (die Filme lassen dies offen) Verursacher eines Todes und in “Im Rauschen” versucht ein Junge mithilfe seines Aufnahmerekorders Kontakt mit seiner verstorbenen Mutter herzustellen.

Eine besondere Stellung nimmt auch hier dann “Ich glaube, es geht ans Ende der Welt”, indem der Film einem Toten seinen Tribut zollt und ihn über das Medium Film mit Hilfe der überlieferten Briefe, wie aus dem Grab, zu uns sprechen lässt. Und auch in Simons nicht veröffentlichten Übungsfilm “Betrunkene Bäume” geht es um den Tod der Hauptfigur, dessen langsames Sterben wir in einer dramatischen Situation aus seinen eigenen Augen mitbekommen. Seine Figuren sind also oft mit dem Tod konfrontiert, der auch nicht selten der Ursprung ihrer Verlorenheit oder Einsamkeit ist. Man kann dies auch anders formulieren: Durch den Tod zieht sich auch oft eine Melancholie durch die Filme. Diese ist auch definitiv auch ein Merkmal für viele Kurzfilme von Simon Schneckenburger. 

Die Reise ist noch nicht vorbei…

„Am Tag die Sterne“ | ®Marcus Hafner

Genauso wie Simon Schneckenburger keinen Punkt bei der Reise seines Protagonisten David (Max Hegewald) in “Am Tag die Sterne” setzte, ebenso ungern möchte ich dies nun tun. Wir haben gesehen, dass bei seinen Kurzfilmen ein Regisseur am Werk ist, dessen eigene Identität als Künstler sehr markant in den Filmen hervorscheint. Das zeigt sich, in dem was ihm am Herzen liegt und an dem, was sich immer auch in seinen Kurzfilmen spiegelt. Zudem ist mit Simon Schneckenburger ein Regisseur am Werk, der immer noch eine anscheinend unbändige, euphorische Freude daran hat das Neue als Konsument, aber auch als Macher entdecken zu wollen. 

Das bedeutet nicht, dass diese Filme durchweg rundum immer gelungen sind. Aber darum geht in diesen Texten schließlich nicht. Es geht darum Nachwuchsregisseure mit Potenzial zu entdecken. Es geht um das, was später zu einer eigenen Stimme heranwachsen könnte. Und das sehe ich hier auf sehr spannende Weise gegeben. Bleiben wir also nun auch wachsam gegenüber Simon Schneckenburger, inwiefern sich seine Filme entwickeln werden. Denn vielleicht werden diese Samen, die diese Kurzfilme darstellen, irgendwann zu einem großen und schönen Baum für den Kinowald heranreifen…

Was ist deine Vision für die Zukunft des Kinos? Was wünschst du dir vom Kino?

„Was ihr nicht seht“ | ®Marcus Hafner

„Mein größter Wunsch ist, dass das Kino die aktuell schwierige Zeit meistert und bestehen bleibt. Der Gedanke, dass sich immer mehr Menschen Filme zuhause und selbst auf ihren Smartphone anschauen, macht mir Angst. Alleine, zurückgezogen, in den eigenen vier Wänden. László Nemes Jeles, der Regisseur von Son of Saul, hat einmal gesagt:
Wenn das Kino stirbt, können wir uns sowieso auf den Dritten Weltkrieg vorbereiten.

Das mag auf den ersten Blick überspitzt klingen und trotzdem denke ich, dass er in gewisser Weise Recht hat, wenn er das Kinosterben mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in Verbindung setzt; Die zunehmende Ichbezogenheit, das Fehlen von Gemeinschaftssinn und der Rückzug aus der Gesellschaft ins Private. Essen liefern lassen, Einkäufe online erledigen und gearbeitet, wenn möglich auch in Zukunft, im Home Office. Aber der Mensch ist doch ein soziales Lebewesen. Er braucht den Kontakt zu Menschen. Um so wichtiger sind Orte wie das Kino, wo Filme gemeinsam zu erleben sind und im besten Fall ist das Kino ja auch ein Ort des kollektiven Diskurses.

Und natürlich liegt es nun an uns allen, dafür Sorge zu tragen, dass das Kino bestehen bleibt. Wir müssen wieder in die Kinos stürmen! Und wir als Filmschaffende sind aufgefordert, kraftvolle und besondere Filme zu schaffen, die die Wirkung und diese ganz bestimmte Magie des Kinos unterstreichen. Filme schauen als Erlebnis eben.

Von was für einem Kino träumst du?

Ich träume von Filmen, die sich mehr trauen und weniger kopieren und die von ihrer Eigensinnigkeit, egal ob ästhetischer oder erzählerischen Natur, leben. Wir müssen aufhören, Filme für irgendwelche Gremien und Redaktionen zu machen, die uns vielleicht sogar noch vorschreiben, wie wir zu besetzen haben. Wir brauchen Mut für ungewöhnliche Besetzungen. Ich will nicht immer nur die selben Gesichter sehen, die die immer selben Figuren spielen. Ich sehne mich nach Unvorhersehbarkeit, nach Wut, Wildheit und Anarchie. Nach dem Sinn für Poesie. Und das muss doch von allen Beteiligten gewollt werden. Dieser Wille, etwas Besonderes und Ungewöhnliches zu schaffen muss doch eine der stärksten Antriebsfedern sein. Ich habe keine Lust mehr dazu, entscheiden zu müssen, zwischen intellektuellen Themenfilm und betulichem Unterhaltungsfilm. Ich wünsche mir mehr Relevanz im Unterhaltungsfilm und mehr Mut zumGenre im anspruchsvollen Arthousefilm. Warum müssen Filme immer schematisch auf ein spezielles Publikum geschrieben sein? Und am allermeisten träume ich von einem Kino, in dem homophobe, rassistische und genderstereotype Kackscheiße von den ZuschauerInnen an der Kasse abgestraft wird. Oder im besten Fall sich die SchauspielerInnen weigern bei so etwas mitzuspielen. Oder im allerbesten Fall solche Filme gar nicht erst die nötigen Fördermittel erhalten!“ (Simon Schneckenburger)

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